"Klasse Klasse!"

Am heutigen Montag, dem 18. Januar 2016, war nach langer Pause wieder Deutsch-Unterricht für unsere neuen Gäste angesagt. Schwer bepackt mit leeren Schulheften und Namensschildern, Kugelschreibern, Tafelkreide, Gummibärchen, Schokolade und Knabbereien sowie herzlich gewappnet mit viel Vorfreude auf neue Menschen und Lust auf neue Kontakte machte ich mich um 1⁄4 vor 15 Uhr auf den Weg zum Mataré. Von der Security wurde ich als "alter" Bekannter freundlich begrüßt.

Von irgendwelchen interessierten Schülern war allerdings nichts zu sehen. Also wanderte ich Lernwillige suchend und rufend durch die Turnhallenabteilungen A, B und C. Mit Unterstützung eines jungen afghanischen Mannes wurden es schließlich 11 Lernbereite. Keuchend im dritten Stock der Schule angekommen, war der für uns vorgesehene Raum 3.11, wie von mir erwartet, verschlossen - und alle anderen links und rechts auch. Bevor ich frustriert aus dem Fenster springen wollte, fand einer meiner "Lernzöglinge" eine zu öffnende Tür. In jenem Raum ganz oben machten wir dann unseren tollen Unterricht.

In meiner Klasse saßen nun 5 Iraner und 6 Afghanen. 10 waren im Alter von 17 bis 27, einer 35. Ich stellte mich ihnen namentlich vor, was sie gottlob auch sofort nutzten, und dann ging es recht turbulent zu. Es gab indes ein paar Verständigungsschwierigkeiten, da auch das Englische bei ihnen nicht ganz gegenwärtig war. So habe ich Ihnen etwas Leicht-Allgemeines zu Deutschland, Nordrhein-Westfalen und Meerbusch erzählt und dieses mit Schreibung der Daten auf die Tafel erleichtert. Offenbar fanden sie das recht wissenswert. Danach waren deutsche Begrüßung und Höflichkeit dran: Guten Morgen über Tschüss bis Bitte schön! Damit Hirn und Gemüt nicht überstapaziert wurden, reichte ich ihnen zwischendurch je zwei Mini-Mini-Tafeln Schoko als Nervennahrung. Sie fanden es lecker. Und schließlich gab′s noch ein bisschen Alphabet. Alle waren sehr lebendig und diskutierten lautstark und stellten mir dann einige Fragen; sehr zu meiner Freude. Einige baten mich auch, dass sie mal an die Tafel kommen dürften, um Ihren Mitschülern etwas in ihren Sprachen zu erläutern. Das fand ich echt super!

Wie die Jungs mir dann sagten, qualmte ihnen um 20 nach 16 Uhr regelrecht der Kopf, und wir beendeten den Unterricht. Alle verabschiedeten sich von mir mit Handschlag und mehrfach mit Ihrem wohl neuen ′Lieblingswort′ "Tschüss!" in allen Aussprachemöglichkeiten. Ergebnis: Für mich war der heutige Unterricht der beste anfängliche aller! Alles war und alle waren freundlich und lustig und menschlich! Ich wünsche mir weitere solcher Stunden!

Klaus H. May, Sprachpate Flüchtlingshilfe Büderich